31.10.2017 16:04

Gleitende Durchschnitte – Lösungsansatz für Berufstätige

Berufstätige haben wenig Zeit und somit sind die Tradingmöglichkeiten sehr beschränkt. Doch es gibt Lösungen für berufstätige Trader. Gleitende Durchschnitte bieten dir die passende Variante.

Du hast wenig Zeit und möchtest dennoch gern traden und deine Finanzen aufbessern? Dann könnten gleitende Durchschnitte die Lösung sein. Gleitende Durchschnitte bieten eine einfache Art und Weise zu traden und das auch noch mit wenig Zeitaufwand und klaren, objektiven Regeln ohne Interpretationsspielraum. In diesem Artikel möchte ich dir die Vor- und Nachteile und verschiedene Ansätze an die Hand geben, um trotz Vollzeitjob ganz relaxt das Thema Trading und Altersvorsorge anzugehen.

Was ist ein Gleitender Durchschnitt?

Ein gleitender Durchschnitt (Moving Average = MA) ist der Durchschnittswert einer festgelegten Anzahl an Perioden. Basis zur Berechnung kann sowohl der Schlusskurs, als auch der Eröffnungskurs oder ein anderer, genau definierter Wert sein. In der Regel wird mit dem Schlusskurs gearbeitet.

Wie sieht eine konkrete Berechnung aus?

Nehmen wir als Beispiel die Aktie X und berechnen den aktuellen MA mit einer Periodenzahl von 5. Die Schlusskurse der letzten 5 Tage waren: 40, 41, 41, 39 und 34. Der Durchschnitt beträgt dann 39. Dies ist das Ergebnis, wenn man alle 5 Schlusskurse aufsummiert und dann durch 5 dividiert (195 / 5 = 39).

Das genannte Beispiel bezieht sich auf den einfachen MA, den sogenannten Simple Moving Average (SMA). Es gibt aber auch weitere Varianten, wie z.B. den Exponential Moving Average (EMA). Dieser EMA gewichtet die jüngsten Kurse höher, um die aktuelle Entwicklung stärker zu berücksichtigen.

Wie sehen die klassischen Regeln aus?

Geht man vom klassischen Ansatz aus, dann ergibt sich ein Kaufsignal, sobald ein Schlusskurs über dem MA schließt. Ein Verkaufssignal ergibt sich, wenn der Schlusskurs unter dem MA schließt. Hier zeigt sich auch gleich, dass man quasi immer investiert ist, da der Schlusskurs immer auf einer Seite des MA sein muss. Berücksichtigt man hier aber den Vollzeit-Berufstätigen, der primär in Aktien, Indizes und ETFs investieren wird, dann ist es durchaus eine Überlegung wert, alle Shortsignale (Verkaufssignale) wegzulassen, da diese Instrumente tendenziell steigen. In solchen Fällen würde man eine Longposition einfach schließen, wenn der Schlusskurs unter dem MA schließt.

Einfluss der gewählten Periodenzahl

Die genaue Wahl der Periodenzahl hat einen starken Einfluss auf die Signalgebung für das eigene Trading. Je kleiner die Periodenzahl, desto sensibler reagiert der MA. Umgekehrt gilt dann natürlich: Je größer die gewählte Periodenzahl, desto geringer die Ausschläge und somit werden auch weniger Signale generiert. Hier zeigt sich das erste Problem: Wir haben ein Abwägungsproblem. Da wir aber ein relaxtes Trading für Berufstätige auf den großen Timeframes/Zeiteinheiten anstreben, ist die Richtung klar. Wir wollen wenige, dafür aber klare Signale haben.

Welche Periodenzahl wählen?

Wie bereits erwähnt, möchten wir eine hohe Periodenzahl wählen, aber auch nicht zu hoch, um überhaupt noch Signale zu erhalten. Weit verbreitet ist der 200er MA, aber auch der 90er und 50er sind sehr beliebt. Schauen wir uns die Ergebnisse für den DAX mit dem 200er MA der letzten 3 Jahre an:


Wie man sieht, sind die Ergebnisse im Jahr 2014 sehr ernüchternd, auch weitere Seitwärtsphasen ergaben keine Gewinne und bedeuteten leichte Verluste. Hier zeigt sich, dass klare Trends von großem Vorteil sind. Der zuletzt geöffnete Trade wäre aktuell weit im Plus. Allgemein lässt sich festhalten, dass es zu sehr wenigen Signalen kam und sich somit auch die Zeit des Trade Managements sehr stark in Grenzen hält.

Schauen wir uns die Ergebnisse für den MA 50 für das letzte Jahr an:


Hier kommt es zu deutlich mehr Signale und die Ergebnisse sind mangels klarem Trend immer noch sehr mäßig.

Schauen wir uns nun noch den 90er MA an:


Hier sehen die Ergebnisse trotz Seitwärtsmarkt schon deutlich besser aus. Klar ist dies kein verwertbarer Backtest, dennoch zeigt sich eine klare Tendenz hin zur Periodenzahl 90, da die Vorteile auf der Hand liegen. Zum einen werden mehr Signale generiert als beim 200er MA und zum anderen reagiert er nicht so sensibel wie der 50er MA.

Kreuzen von MAs

Nimmt man einen weiteren MA hinzu, der eine deutlich andere Periodenlänge hat, dann sieht man zwei unterschiedlich sensible Linien im Chart. Der MA mit der kürzeren Periodenzahl reagiert sensibler und wird von Zeit zu Zeit den trägeren MA mit der höheren Periodenzahl kreuzen. Dieses Kreuzen kann man als Handelssignal interpretieren. Kreuzt der kleinere MA den höheren MA von unten nach oben stellt das ein Kaufsignal dar. Umgekehrt ergibt sich ein Verkaufssignal, wenn der kleinere MA den höheren nach unten hin kreuzt.

Im folgenden Chart ist der DAX im letzten Jahr mit dem 90er MA (blau)und dem 50er MA (rot) zu sehen:


Gab es beim 90er MA allein noch 9 Signale, so sind es nun nur noch 4 Signale. Dies zeigt schon, dass eine weitere Reduzierung der Signale stattfindet. Ob dies auch mit einer besseren Qualität einhergeht, muss man auf einen längeren Zeitraum backtesten. Des Weiteren kann das Heranziehen von anderen MAs zu besseren Ergebnissen führen. Oftmals ist die Kombo 200er und 90er zu sehen.


Schauen wir uns die Ergebnisse der letzten 3 Jahre hierfür an:


Es gab 4 Signale in 3 Jahren. Mit anderen Worten überarbeitet man sich nicht, wenn man diese Kombo tradet. Doch wie sehen die Ergebnisse aus? In diesem konkreten Beispiel sehen die Ergebnisse gelinde gesagt verheerend aus. Rote Pfeile sind Short Positionen und grüne Pfeile Long Positionen:


Der Idealfall wären viele grüne aufwärtsgerichtete Pfeile und viele rote abwärtsgerichtete Pfeile. Die Realität sieht anders aus. Setzen wir als zusätzlichen Filter, dass wir keinerlei Shortpositionen eingehen wollen, sieht es schon etwas besser aus. Dennoch sieht es nicht besonders attraktiv aus. Man darf allerdings nicht vergessen, dass das Gesamtbild im DAX für die letzten 3 Jahre recht kompliziert aussieht. Es gab keinen stabilen Trend.

Dennoch kann man hier für den Ausstieg aus einer Longposition eine weitere Regel einführen. Man muss nicht warten, bis das Kreuzen der MAs den Ausstieg anzeigt. Steigt man aus dem Trade aus, sobald sich der Schlusskurs unter dem trägeren 200er MA befindet, sind die Verluste weitaus geringer. Hier lohnt sich auf jeden Fall ein Backtest.

Der folgende Chart zeigt den Vergleich:


Der Ausstieg mit der verbesserten Ausstiegstechnik (pink) führt im Ergebnis sogar zu einem kleinen Gewinn.

Range-Märkte vermeiden

Den größten Boost für eine Trendfolgestrategie stellt das Vermeiden von Seitwärtsmärkten (Range-Märkten) dar. Weiß man, wann man besser keinen Trade eingeht, erspart man sich potentielle Verluste und kann aufgrunddessen sogar auf kleinere Perioden zurückgreifen. Doch wie erkennt man Range-Märkte? Es gibt eine Vielzahl von objektiven Entscheidungsgrundlagen. So z.B. das Feststellen eines Trends aufgrund des Aufbaus oder das Verwenden eines Indikators wie den ADX.

Chartbild des DAX der letzten 3 Jahre:


Grüne Boxen zeigen einen Aufwärtstrend, sprich höhere Hochs und höhere Tiefs. Die rote Box zeigt einen Abwärtstrend, der durch tiefere Tiefs und tiefere Hochs gekennzeichnet ist. Vermeidet man nun Trades, wenn kein Trend vorhanden ist, filtert man ungünstige Marktbedingungen heraus.

DAX mit dem ADX als Trendfilter:


Ist der ADX über 25 liegt ein Trend vor, der als stark genug erachtet werden kann. In solchen Marktphasen können Signale, die die MAs generieren, verwendet werden. Natürlich ist dies nur eine Idee, wie man Fehlsignale herausfiltern kann und Seitwärtsmärkte vermeidet. An dieser Stelle muss unbedingt noch erwähnt werden, dass auch hier die Periodenanzahl des ADX wesentlichen Einfluss auf die Darstellung hat.

Zeitaufwand hält sich in Grenzen

Wie auch immer man sich sein eigenes Setup für das Traden von MAs zusammenstellt, es bleibt festzuhalten, dass sich der Zeitaufwand stark in Grenzen hält und somit auch für Berufstätige eine gute Möglichkeit darstellt. Das Einzige was man tun muss, ist einmal am Tag zu überprüfen, wo der letzte Schlusskurs ist, was pro Markt nicht länger als eine Minute dauert. Mit dieser Methodik kann man auch relativ einfach mehrere Märkte gleichzeitig beobachten und traden. Allerdings sollte man auf die Korrelation achten, um ein nicht allzu hohes Clusterrisiko zu haben. Mit Clusterrisiko und Korrelation ist gemeint, dass man darauf achtet, Märkte zu handeln, die sich in ihren Bewegungen nicht stark ähneln.

 

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Ähnliche Strategien

Im Prinzip ist das Traden von MAs eine Art Break Out Strategie, da man in der Grundform erst einen Trade eingeht, wenn ein MA überwunden wurde. Ähnlich verhält es sich bei der 10 Candle Breakout Strategie, die einige von euch eventuell schon kennen.

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